Die Geschichte des Tabaks


1. Das erste Kennenlernen
2. Die Verbreitung als Heil- und Zierpflanze
3. Das Rauchen macht Schule
4. Tabak und sein Genuß in Deutschland


Das erste Kennenlernen

Die Geschichte des Tabakanbaues in Europa steht in engem Zusammenhang mit der Entdeckung Amerikas durch Christoph Kolumbus 1492. Es kann mit Sicherheit davon ausgegangen werden, daß die Urheimat der Tabakpflanze der amerikanische Kontinent ist.

In der Literatur wird verschiedentlich darauf hingewiesen, daß schon zuvor in der alten Welt ein getrocknetes Kraut von mehreren Völkern, beson ders von den Chinesen und den Kelten geraucht und der Rauch eingeatmet wurde, doch ist nirgends das Wort Tabak oder ein Zusammenhang mit dieser Pflanze aufzufinden. Der Tabak beginnt erst mit der Entdeckung Amerikas in der alten Welt Geschichte zu machen.

Kolumbus berichtet in einem Brief, nach seiner ersten Fahrt, er habe gleich nach der Landung auf einer der dem Festland "Westindiens" vorgelagerten Insel im Oktober 1492 in einem Einbaum einen einzelnen Mann gesehen. Dieser Mann sei von einer Insel, die er Santa Maria nannte, nach der anderen, Fernandina genannt, übergesetzt, er hätte ein Stück Brot, eine Flasche Wasser, etwas gepulverte rote Erde und einige gerollte trockene Blätter bei sich gehabt, die er als "Tobacco" bezeichnete und als Freundschafts geschenk anbot. Bischof Las Casas, der von 1502 bis 1510 als Sklavenhalter und als Pflanzer in Amerika lebte, weiß in seiner Untersuchung zu berichten, was es mit dieser "Raucherrolle" auf sich hat. Er schreibt darüber, daß ihnen viele Män ner und Frauen begegnet seien, die eine "glühende Kohle" in der Hand trugen, bestehend aus wohlriechenden Kräutern. Es waren dies trockene Blätter, die in einem gleichfalls trockenen Blatt eingewickelt waren, die sie "Tobacco" nann ten, womit der Name des Tabaks weniger als Pflanze denn in der "Rolle" begründet sein dürfte. Die Indianer fertigten aus getrockneten Blättern eine Rolle, bei der Blatt um Blatt gewickelt und in einem Deckblatt eingehüllt waren. Sie zündeten diese Rolle an einem Ende an und genossen den Rauch durch Ein- und Ausatmen, um sich in einen rauschähnlichen Zustand zu versetzen. Die Rauchrolle war oft auch trichterförmig gewickelt und von einem Palmenblatt umhüllt. Auch fand man in Maishüllen gewickelte oder mit anderen Blättern trichter- oder tütengeformte Hüllen mit ganzen oder zerstückelten Tabakblättern gefüllt, die jeweils geraucht wurden.


Indio



Die Rauchrollen waren oft so groß, daß sie in der Hand nicht gehalten werden konnten. Sie wurden in einen Ständer gelegt und beide, Rauchrolle und Ständer, hatten die Gestalt einer Muskete. Interessant ist, wie dem Tabak bei den Indianern neben dem berauschenden Rauchgenuß eine vorzügliche heilsame Wirkung zugesprochen wuirden.

Wenngleich diese heilsame Wirkung in unserer heutigen Zeit fragwürdig erscheint, ist es doch verwunderlich, daß der Tabak auch auf dem europäischen Kontinent seinen Siegeszug in den ersten zweihundert Jahren nach seiner Entdeckung praktisch nur aufgrund seiner heilsamen Wirkung als Arzneimittelpflanze begann.

Mit größter Wahrscheinlichkeit ist anzunehmen, daß Kolumbus von einer erneuten Entdeckungsfahrt 1496, oder Hernandez von Toledo 1520 sowohl Samen als auch getrocknete Blätter nach Spanien brachten.

Den Siegeszug ihrer Verbreitung über ganz Europa und den restlichen Teil der alten Welt konnte die Tabakpflanze nicht so reibungslos antreten, wie das die Selbstverständlichkeit, mit der sie heute hier angebaut wird, vermuten läßt. Die Matrosen und die Kolonisten haben wohl als die ersten den Geschmack am Rauchen gefunden. Wahrscheinlich hat sie nichts anderes als die Macht der Neugier zur Nachahmung gelockt. Staunend und verwundert sahen sie die Indianer rauchen, feierlich, mit einer gewissen Leidenschaftlichkeit unter allen Anzeichen eines tiefen vollkommenen Wohlbehagens. Zunächst werden sie nur geschnuppert haben, bis einmal einer der eingeborenen Naturkinder den fremdartigen weißen Männern, die von fern her über das Meer gekommen waren, den brennenden "Tobacco" reichte.

Der erste europäische Raucher empfand wohl einen seltsamen prickelnden Reiz an Gaumen und Nase, nahm vielleicht noch ein paar Züge, die nach der Art der Indianer verschluckt wurden, und spürte dabei ein leichtes, süßberauschendes Gefühl. So mag ungefähr das früheste Rauchererlebnis der Entdecker gewesen sein. Immerhin wird wohl der eine oder andere Matrose, der das Rauchen liebgewonnen hatte, einen kleinen Tabakvorrat in die Heimat mitgenommen haben und dabei geblieben sein, um als Weltumsegler von den Bürgern bestaunt und in großen Zügen qualmend durch die Straßen zu spazieren.

Weit über hundert Jahre hinweg mogelte sich das Rauchen und Schnupfen des Tabaks in Europa nur unbedeutend neben dem höher eingeschätzten Heilwirkungsgrad von einem Land ins andere, und mit ihnen auch trotz Schwierigkeiten die Anbauausdehnung.

Die Verbreitung als Heil- und Zierpflanze

Im Zusammenhang mit der Verbreitung der Tabakpflanze in Europa taucht ein Name auf, der für die spätere Namensgebung des Tabaks große Bedeutung hat: Jean Nicot um 1530, französischer Gesandter am spanischen Hof. Die Geschichte weist aus, daß Jean Nicot sich in zweifacher Weise um den Tabakanbau in der alten Welt verdient gemacht hat. Er verstand es, zum einen durch sein diplomatisches Geschick, der recht jungen Tabakpflanze als Zierpflanze in Gärten am Hofe und als Heilpflanze recht starke Verbreitung in gehobenen Gesellschaftsschichten zu verschaffen.

Nachdem der Tabak trotz seiner Einführung in Spanien zunächst keine schnelle Verbreitung erfuhr, griff Nicot Anfang des 16. Jahrhunderts den fast von einem Glauben umgebenen Heilwert dieser Pflanze auf und verschaffte ihr durch zähe, intensive Untersuchungs und Öffentlichkeitsarbeit Hoffähigkeit. Er sandte seiner Königin Katharina von Medici Tabaksamen nach Paris und legte ausführliche Berichte bei. Jean Nicot~legte damit den Grundstein für die Verbreitung in der alten Welt. Die von ihm versandten Samen wurden danach in verschiedenen Hofgärten Frankreichs angepflanzt.

Es ist erstaunlich, wie der Tabak über 200 Jahre hinweg seine größte Bedeutung als Heupflanze behielt und in gleichzeitiger Verbreitungsphase als Zierpflanze die Landschaften und Parks verschönte. Namhafte Mediziner, unter ihnen der Züricher Stadtarzt und Botaniker Konradin von Gessner, sowie Dr. Adolf Occo aus Augsburg und andere schrieben über die Heilkraft der Tabakblätter. Sie trugen somit zum Bekanntwerden und zum Anbau der Tabakpflanze in Deutschland schon Ende des 16. Jahrhunderts bei. Man glaubte in dieser Tabakpflanze endlich die langgesuchte allheilende Wunderpflanze gefunden zu haben, deren Besitz und Genuß Krankheiten beseitigt und vor Krankheiten schützt.

Aus zahlreichen Quellen in der Literatur geht hervor, wie ganze Tabakblätter als Wundpflaster Verwendung fanden, um Geschwüren und Geschwülsten Einhalt zu gebieten oder der eingeatmete Rauch der verbrannten Tabakblätter Atembeschwerden behob. Aus späteren Berichten des 17. und 18. Jahrhunderts ist bekannt, daß Tabakblätter auch gekocht wurden, um den daraus gewonnenen Saft (Lauge) zu trinken. Er soll Linderung und Heilung bei Magenbeschwerden und Darmkrankheiten verschafft haben! Pulverisierte Tabakblätter wurden gegen Kopfschmerzen geschnupft. Ferner wurde der Tabakgenuß in allen nur möglichen Formen als wirksamstes Mittel gegen die gefürchtete Pest angepriesen.'

In dem wahrscheinlich ersten Buch über die Tabakpflanze selbst, das auch Abbildungen über die Pflanze enthält, beschreibt Jacques Gahory, Paris 1572, sehr genau aus damaliger Sicht die Tabakpflanze. Er widmete dieses Buch der Königin Medici und gab der Tabakpflanze, ihr zu Ehren, den Namen "Kraut der Königin" oder "Medicaea". Er fragt dabei zunächst, ob der Königin die yeröffentlichung der Arbeit angenehm sei und welcher Name der Pflanze gegeben werden solle: Catherinaria nach ihrem Vornamen oder Medicaea nach ihrem Familiennamen, wobei es sich gut trifft, wie er schreibt, da es sich um eine Medizinalpflanze handelt. In diesem Buch schreibt Gahory weiter:

"Bevor ich nun in die Materie eintrete, weise ich darauf hin, daß unsere Medicaea an den Namen des medischen Apfels erinnert. Man hält sie auch im Winter in Puppen oder in Kästen wie die Orangen und Zitronenbäumchen, andernfalls muß man für sie eine Stroh und Schilfmatte machen und sie nur in der Mittagssonne aufdecken. Es ist sehr bemerkenswert, daß sie in der Höhe eines halben Fußes ihres Stengels sich verzweigt und viele Blätter treibt, daß Zweige oder Sprossen als Stecklinge dienen können. In warmen Ländern ist sie 9 oder 10 Monate des Jahres gleichzeitig mit Blättern, Blüten, grünen Kapseln voll mit Samen behangen, die schwarz und klein bleiben. Sie wurde aus Florida nach Portugal gebracht. Von dort gelangte sie zur Königin Katharina da Medici und zwar durch Herrn Nicot, ihrem früheren Berichterstatter für die Erledigung von Bittschriften, später Gesandter Sr. Majestät in Portugal, der eine verdienstvolle Persönlichkeit war. Die Königin, von ihm aufdie merkwürdigen Vorzüge der Pflanze aufmerksam gemacht, hat sie in Frankreich verbreitet, verdient daher mit Recht, daß ihr Name Medicaea ihr gegeben wurde, wegen ihrer vortrefflichen medizinischen Eigenschaften."

Wenn auch zu diesem Zeitpunkt die Tabakpflanze noch keinen botanischen Namen hatte, haben doch spätere Botaniker aus dem Schrifttum und der Öffentlichkeitsarbeit Jean Nicots erkannt, daß er der Tabakpflanze zur Hoffähigkeit und zur Anerkennung auf höchster Ebene, sowohl als heilsames Gewächs als auch als Zierpflanze, verholfen hat und dieser Erfolg ihm zuzuschreiben ist. Jean Nicot wurde am meisten dadurch geehrt, daß diese Pflanze ihren botanischen Namen nach ihm erhielt, Nicotiana tabacum.

Die bedeutende Medizinalpflanze Tabak wird dann immer häufiger in Kräuterbüchlein mit aufgenommen. So wird sie schon 1656 in einem Kräuterbuch gepriesen: "Dieses Kraut reinigt Gaumen und Haupt, vertreibt die Schmerzen und Müdigkeit, stillet das Zahnweh, behütet den Menschen vor Pest, verjaget die Läuse, heilet den Grind, Brand, alte Geschwüre, Schaden und Wunden."

Geradezu erstaunlich ist, daß in damaliger Zeit vom Tabakrauchgenuß kaum geschrieben wurde. Diese Bedeutung setzte erst später ein. Dabei soll nicht unerwähnt bleiben, daß noch im 18. Jahrhundert und bis in die heutige Zeit hinein aus überlieferten Hausmitteln zu erkennen ist, daß Tabaksaucen zum Abtöten von Läusen in Pferdefesseln, zum Beizen von Hölzern und zum Gießen gegen Schädlinge mit Erfolg Verwendung fanden. Eine Bestätigung dafür, daß bei dem damaligen Stand der wissenschaftlichen Erkenntnis in der Medizin, die von Jean Nicot gepriesene heilsame Wirkung bis zu einem gewissen Grade ihre Berechtigung gehabt haben muß.

Das Rauchen macht Schule

Nachdem zuerst Spanien, Portugal, dann Italien, Frankreich und Deutschland die neue Heil- und Zierpflanze Tabak kennengelernt hatten, wurde sie auch den beiden anderen großen Seemächten England und Holland bekannt. Immerhin hatte es bis 1570 gewährt, bis einzelne Tabakpflanzen und Blätter für medizinische Zwecke nach England importiert und geprüft wurden, ohne allzu großen Beifall zu finden. Um so lebhafter war aber die Begeisterung, mit der die Engländer zwei Jahrzehnte später den Rauchgenuß aufnahmen, als sie ihn durch den Beginn ihrer kolonisatorischen Tätigkeit in Amerika selbst kennenlernten. Der Name Sir Walter Raleigh, der englische Seefahrer, 1586 von Freunden mit Tabak aus Virginia beschenkt, steht in der Literatur dafür, daß er das Tabakrauchen in die Öffentlichkeit trug und hoffähig machte, was schließlich zum gewerblichen Tabakanbau auf der ganzen Welt, auch in Mitteleuropa führte.

Raleigh, ein kühner Seefahrer, war in seine Pfeife so vernarrt, daß er sie auch nicht aus dem Mund nahm, als er im Londoner Tower das Schafott bestieg. Sein Diener soll ihn eines Tages, als er ihn zum ersten Mal rauchen sah, erschrocken den Inhalt einer großen Wasserkanne über den Kopf gegossen haben, weil er glaubte, sein Herr sei in Brand geraten.

Der Rauchgenuß verbreitete sich in England so intensiv, daß bereits zu Beginn des 17. Jahrhunderts als Verfeinerung des Geschmacks viel Geld für Soßen und Tinkturen, meist mit Sirup, Honig und Extrakten aus Zwetschgen oder Rosinen ausgegeben wurde. Sir Walter Raleigh's Vorbild fand in den höheren Gesellschaftsschichten so viele Nachahmer, daß die formvollendete Beherrschung des Rauchens zum guten Ton gehörte.

So schnell hatte sich die neue Sitte in England eingebürgert, daß es nach Königin Elisabeths 1. Tod 1603 das Ansehen des gebildeten Engländers zu verlangen schien, den Rauch in schöner Gelassenheit durch Mund und Nase strömen zu lassen. Der Tabak hatte somit begonnen, der Gesellschaft ein besonderes Gepräge zu geben. Er ist seitdem aus unserem Kulturkreis nicht mehr wegzudenken. Wer elegant sein oder doch dafür gehalten werden wollte, mußte beweisen, daß er sich auf das Schnupfen oder das Rauchen verstand. Sie wurden in einer Reihe mit Tanzen, Jagen, Reiten und Kartenspiel gestellt, also mit den Künsten des sogenannten Edelmannes.

Von England schlug jetzt eine Welle der selbstbewußt gewordenen Rauchsitte zum Festland hinüber. Zuerst nach Holland. Melen van der Meer, ein holländischer Arzt, berichtet, daß er 1590 während seines Studiums Engländer aber bereits auch Franzosen Tabak rauchen sah. Von letzteren hieß es damals schon, Franzosen können ohne Tabaksaufen (das Rauchen wird in der Literatur sehr häufig als Tabaksaufen bezeichnet) nicht leben.

Ein historisches Ereignis kam den Rauchern gegenüber ihren Gegnern, die sich damals schon zu sammeln begannen, zu Hilfe, die 1614 in London aufgetretene große Pest. Einige Ärzte waren der Meinung, daß die leidenschaftlichen Raucher von der furchtbaren Seuche weniger leicht erfaßt wurden, als die anderen. So erhielt Nicotiana tabacum auch bei den sonst so nüchteren Söhnen Albions (England altkeltisch) zusätzlich noch jenen Nimbus als Heilpflanze, den sie mit ihrem ersten Erscheinen auf dem europäischen Festland schon begründet hatte. In diesem Pestjahr schreibt William Barkley: "Mäßig angewendet gibt es in der ganzen Welt kein dem Tabak vergleichbares Medikament".

In dieser Zeit, zu Beginn des 17. Jahrhunderts setzt der Handel mit Tabak ein. Insbesondere in den Niederlanden wird er bereits zu einer wichtigen Handelsware, und ist es seitdem auch geblieben.

Tabak und sein Genuß in Deutschland

Die Tabakpflanze hatte nun in mehrfacher Hinsicht als Heil- und Zierpflanze und als Rauch- bzw. Schnupftabak in den ersten hundert Jahren ihres europäischen Daseins Hoffähigkeit und Verbreitung, praktisch in alle europäischen Zentren erlangt. Sie wurde gefördert als Heil- und Zierpflanze und schließlich auch darin, die Tabakblätter zu rauchen und zu schnupfen, letzteres vor allem in höchsten Damenkreisen am Hof, was eine verstärkte Nachfrage nach dieser Pflanze bewirkte.

Schon 1565 sind die ersten Tabakblätter bereits in Deutschland bei dem Augsburger Arzt Adolf Occo zu medizinischen Zwecken verwendet worden. Er legte sie dem damals berühmten Botaniker Conrad Gessner in Zürich vor, der ihm seine Vermutung, es könne sich um Tabak handeln, bestätigte, nachdem er von Benedict Aretius in Bern die Abbildung einer selbstgezogenen Tabakpflanze erhielt.

Bald nach diesem ersten Bekanntwerden des Tabaks in Deutschland begann auch der Anbau und zwar im kurpfälzischen, im badischen und Straßburger Raum. Es ist zu vermuten, daß Tabaksamen aus dem benachbarten Frankreich in diese Regionen herüberkam. Im Elsaß und Lothringen waren es vor allem Kardinal Karl von Lothringen (1524 bis 1574) und sein Bruder, der Großprior Franz von Lothringen (1519 bis l563), die als Gegner der Hugenotten enge Verbindung zur Königin Medici hatten und viel reisten, dabei die Eigenschaften des Tabaks ins Gespräch brachten und seine Anwendung förderten.

Auch ist aus der Literatur zu erkennen, daß Einflüsse aus Holland, wo 1561 Tabak angebaut worden sein soll und das starken Handel mit England betrieb, Ausgangspunkt für den Tabakbau am Rhein, besonders im kurpfälzischen Raum um Mannheim waren.

Die ersten größeren Tabakanbauversuche, die in Deutschland stattfanden, wurden 1598 unter Pfalzgraf Friedrich IV. in der Kurpfalz gemacht. Die älteste bis jetzt bekannte Mitteilung über den Tabakanbau erwähnt allerdings schon 1573 Tabakbau in der Pfalz. Philipp Schwab schreibt in seinem 1852 in Karlsruhe erschienenen Buch "Der Tabakanbau in der Pfalz und in Holland", daß Pfarrer Nördimger von Altlußheim 1731 an Herzog Eberhard von Württemberg eine Eingabe gemacht hat und darin erwähnt, daß in Hatzenbühl schon im Jahre 1573(45) Tabak angebaut worden sei. Es soll, wie Schwab schreibt, nach glaubwürdigen Quellen der Tabakanbau in der Pfalz durch die in den Jahren um 1570 aus Frankreich geflohenen Hugenotten eingeführt worden sein und auch in Seckenheim, Friedrichsfeld und Oftersheim, wo sich die Hugenotten, wie auf der anderen Rheinseite bei Hatzenbühl, niederließen, den ersten Anbau gegeben haben. Nachdem dieser erste Tabakanbau in Deutschland historisch besondere Bedeutung hat, soll hier auf eine Keimzelle näher eingegangen werden. In "Der Tabakchronik von Hatzenbühl" (52) wird aufgeführt, daß es namentlich nicht bekannt ist, wer die erste Tabakstaude angepflanzt hat und auf welchem Grundstück dies zuerst geschah. Es wird aber darauf hingewiesen, daß mit Sicherheit angenommen werden kann, über Lothringen oder Elsaß habe der Dechant Anselmann einige Samenkörner des Wunderkrautes erhalten und in seinem Kunstgarten in Hatzenbühl ausgesät.

Neben diesen Keimzellen in Baden und der Pfalz, wo Ende des 16. Jahrhunderts nach diesen Hinweisen der Tabakanbau Fuß gefaßt hatte und sich auf den sandigen Böden ausweitete, gab es noch ein zweites Zentrum im Elsaß bei Straßburg. Verschiedene literarische Quellen weisen aus, daß 1620 erste Anbauversuche mit Tabak in Straßburg durchgeführt wurden. Der Kaufmann Robert Königsmann aus Straßburg wird genannt als derjenige, der damals aus England "Virginen-Saatgut" mitbrachte und in Wachwörth 1620 Tabak anbaute und später um 1648 in Benfelden und Mazenheim den Tabakbau ausweitete.

Nachdem in der Gesamtliteratur deutlich wird, wie in dieser Zeit das Interesse am Tabakblatt überall stieg und Anbauversuche an mehreren, späteren Anbauzentren zu verschiedenen Zeiten durchgeführt wurden, ist unschwer zu erkennen und die Vermutung zu begründen, daß in diesem Zeitraum um die Jahrhundertwende vom 16. zum 17. Jahrhundert auch auf der rechtsrheinischen Seite der südlichen Rheinebene gegenüber von Straßburg der Anbau einsetzte. Wenngleich in der späteren geschichtlichen Entwicklung des Tabakanbaues oft die Pfalz in Erscheinung tritt, muß hier darauf aufmerksam gemacht werden, daß mit dem Begriff Pfalz bis zum Jahre 1803 der kurpfälzische Bereich mit der Region Mannheim - Heidelberg - Speyer und die dort liegenden Ortschaften gemeint waren.

Der Dreißigjährige Krieg von 1618 bis 1648 war auslösendes Moment für die Verbreitung des Rauchens mit steigender Nachfrage nach Tabak und einen größer werdenden Anbau. Das verstärkte Beispiel zum Tabakrauchen sollen englische Hilfstruppen gegeben haben, die Graf Gray 1620 König Friedrich von Böhmen zuführte. Aufgrund der verstärkten Ausweitung der Rauchergewohnheit war es im Dreißigjährigen Krieg erforderlich, Tabak im eigenen Land zu Rauchzwecken anzubauen, im Gegensatz zu vorher, wo einzelne Pflanzen nur für medizinische Zwecke benötigt wurden.

Die Kurpfalz, die zum Ausgangspunkt für den deutschen Tabakanbau wurde, hatte den Vorteil, daß sie eine günstige klimatische und geographische Lage bot. Nachdem dieses Land am Rhein auch wiederholt Kriegsschauplatz war, ist es naheliegend, daß die Soldaten an Ort und Stelle ihren Tabak durch den Anbau gesichert haben wollten.

Dieser Text wurde mit freundlicher Genehmigung von Günter Hechler Agr. Ing. aus dem Buch Tabakanbau in Deutschland entnommen.